Über Inklusion und den Umgang mit herausforderndem Verhalten von Schüler:innen
Das Themenfeld zeigt, wie Inklusion im schulischen Alltag verstanden und umgesetzt werden kann. Im Zentrum steht ein breites Inklusionsverständnis: Schule soll von Anfang an so gestaltet sein, dass alle Schüler:innen willkommen sind und gemeinsam lernen können, unabhängig von ihren Fähigkeiten. Unterschiede werden dabei nicht als Abweichung, sondern als Teil schulischer Normalität verstanden. Hiermit wird deutlich, dass Unterstützung nicht nur bei den Schüler:innen ansetzt, sondern auch von der Haltung der Lehrpersonen und den schulischen Rahmenbedingungen abhängt. Forschungsergebnisse zeigen, dass vor allem präventive Ansätze, klare Strukturen und gemeinsame Verantwortung dazu beitragen, Inklusion im Schulalltag erfolgreich umzusetzen.
Wenn Vielfalt im Unterricht sichtbar wird
Du beginnst die Unterrichtssequenz wie gewohnt im Kreis mit einem thematischen Einstieg in das neue NMG-Thema. Bereits nach wenigen Minuten entsteht Unruhe: Begeistert wird aufgesprungen und mit den Finken gespielt. Zwischen einigen Schüler:innen wird intensiver Körperkontakt gesucht, begleitet von lautem Kreischen. Daneben hörst du, wie leise auf Französisch fragend über das Thema gesprochen wird.
Nach dem Einstieg besprichst du die ersten beiden Seiten im Dossier und erteilst den Auftrag zur Einzelarbeit. Ein:e Schüler:in verweigert die Arbeit mit der Begründung, dass sie nicht interessant sei. Gleichzeitig werden alternative Arbeitsplätze gesucht. Im Kreis bleibt jemand sitzen, wirkt verträumt und blickt hilfesuchend im Raum umher. Eine andere Stimme ruft laut durchs Klassenzimmer: „Ich bin mit der ersten Aufgabe schon fertig!“
Ein kurzer, aber wichtiger Einschub zum Themenfeld Inklusion
Vielleicht scheint dir das wie eine ganz alltägliche Unterrichtssituation. Genau darin zeigt sich jedoch, was mit Inklusion gemeint ist: Schule ist ein Ort für alle. Schüler:innen, die im gleichen Quartier leben, lernen auch gemeinsam. Die Schweiz hat sich mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention1 dazu verpflichtet, allen Schüler:innen Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Inklusion bedeutet also, dass Schule so gestaltet wird, dass alle Schüler:innen darin ihren Platz finden und gefördert werden, unabhängig von ihren körperlichen, kognitiven und psychischen Voraussetzungen. Vielleicht stellst du auch fest, dass du vieles davon bereits im Alltag erlebst, oft ganz selbstverständlich, ohne lange darüber nachzudenken, wer dazugehört und wer nicht. Was genau hinter dem Begriff Inklusion steckt, wird im Glossar genauer erklärt.
Inklusion bedeutet nicht die Anforderung an dich als Lehrperson, dass du jedes herausfordernde Verhalten immer als Ausdruck eines tieferliegenden Bedürfnisses wahrnimmst oder dass du jede Situation vollständig individuell aufarbeiten kannst. Schüler:innen handeln aus unterschiedlichen Gründen: Manchmal stehen Überforderung, Unsicherheit oder fehlende Strategien im Hintergrund. In anderen Situationen werden jedoch auch bewusst Grenzen ausgetestet, Regeln infrage gestellt oder Verhaltensweisen aus dem Umfeld übernommen.
Eine inklusive Haltung bedeutet also, Verhalten differenziert zu betrachten. Sie lädt dazu ein, wenn möglich hinter das Verhalten zu blicken und dieses als Hinweis auf Lern- und Entwicklungsprozesse zu verstehen2. Gleichzeitig wird anerkennt, dass dies im schulischen Alltag nicht immer in der nötigen Tiefe leistbar ist und auch nicht in jeder Situation zielführend sein muss.
Gerade deshalb bleiben klare Regeln, verlässliche Strukturen und transparente Erwartungen zentral. Werden Grenzen verletzt oder der Unterricht nachhaltig beeinträchtigt, braucht es eine klare Benennung des Verhaltens, verbindliche Konsequenzen und eine geteilte Verantwortung im Schulteam3. Inklusion steht dabei nicht im Gegensatz zu Konsequenzen, sondern bildet deren pädagogische Grundlage: Ziel ist es, sowohl dem einzelnen Kind als auch der gesamten Lerngruppe gerecht zu werden4.
Und jetzt?
Hier findest du praxisnahe Strategien für die Vorbereitung und konkrete Vorschläge, wie du als Lehrperson in solchen Situationen handeln kannst. Sie stützen sich auf theoretische Überlegungen und empirische Befunde. Die Best Practices wurden von den Autor:innen aus diesen Grundlagen abgeleitet und befinden sich jeweils in der grün hinterlegten Box. Empirisch belegte Best Practices befinden sich in der blauen Box.
Was kannst du in der Vorbereitung tun?
Die Schüler:innen im Fokus
Damit herausfordernde Situationen im Unterricht, wie im oben beschriebenen Beispiel, möglichst gar nicht erst entstehen oder früh aufgefangen werden können, lohnt es sich, präventiv zu handeln. Im Folgenden werden zwei bewährte Handlungsmöglichkeiten vorgestellt3,5.
Aufgabenanforderungen anpassen
Wenn Schüler:innen Aufgaben vermeiden oder sich zurückziehen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Aufgabe: Passt sie wirklich zum Lernstand der Schüler:innen3,6,7? Manchmal sind es kleine Anpassungen, die den Einstieg erleichtern. Zum Beispiel kann es helfen, den Umfang einer Aufgabe zu reduzieren, mehr Bearbeitungszeit zu geben, den Schwierigkeitsgrad anzupassen oder eine Aufgabe in kleine Schritte zu gliedern. So wird die Aufgabe für Schüler:innen besser bewältigbar und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie dranbleiben3,8.
| Best Practice: Gehe auf den:die Schüler:in zu, die die Aufgabe verweigert. Markiere den Auftrag in Abschnitte und mache ab, bis zu welcher Aufgabe du erwartest, dass er:sie arbeiten soll. Stelle ihm:ihr einen Timer auf das Pult und trefft euch in fünf Minuten wieder. |
Selbstmanagement
Schüler:innen können lernen, ihr Verhalten bewusst wahrzunehmen, zu beobachten und selbst zu steuern3,5. Du als Lehrperson kannst solche Strategien mit der ganzen Klasse einführen, indem ihr gemeinsam besprecht, wie die Schüler:innen ihr Arbeitsverhalten beobachten oder ihre Ziele für eine Arbeitsphase festlegen können. Bei Bedarf lassen sich diese Ansätze mit einzelnen Schüler:innen individuell weiter vertiefen. Hilfsmittel wie Checklisten, Zielkarten oder kurze Selbstbewertungen unterstützen deine Schüler:innen dabei, ihr Verhalten im Unterricht zu reflektieren und mehr Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen5,9.
| Best Practice: Vereinbare am Morgen in der Ankommenszeit mit den schnellen Schüler:innen das Ziel: „Wenn ich mit einer Aufgabe fertig bin, überprüfe ich zuerst meine Lösung, lege mein Arbeitsheft ins Abgabefächli und lese als nächstes ruhig in meinem Pultbuch”. Das abgemachte Ziel klebt ihr als Post-It zusätzlich auf das Pult. |
Die Lehrpersonen im Fokus
Als Lehrperson kannst du dich präventiv immer wieder mit deiner eigenen Einstellung auseinandersetzen. Was brauche ich, um einen ressourcenorientierten und wertschätzenden Umgang mit meinen Schüler:innen zu pflegen?
Die eigene Haltung klären
Die Entwicklung einer professionellen inklusiven Haltung kann insbesondere durch die Stärkung der Selbstwirksamkeit unterstützt werden10. Dafür lohnt es sich, die eigene Haltung regelmässig zu reflektieren. Neue inklusive Anforderungen bringen gewohnte Routinen oft ins Wanken und können eigene Unsicherheiten oder Belastungen auslösen11. Hilfreich ist es, die eigene Reaktion genauer zu betrachten: Fehlt mir Wissen? Habe ich Sorgen vor einer Mehrbelastung? Oder zweifle ich an meinen eigenen Fähigkeiten11? Diese Klärung hilft, die eigene Haltung gezielt weiterzuentwickeln.
| Best Practice: Überlege dir zehn Minuten vor dem Unterrichtsstart: Was brauchen meine Schüler:innen von mir, um dem Input im Kreis konzentriert folgen zu können? Starte mit einem Koordinationsspiel. Evaluiere am Mittag den Input, hat sich der aktive Start gelohnt? Wer hat besonders profitiert? Was hat sich für mich positiv verändert? |
Erfolge nutzen und durch Feedback weiterentwickeln
Die eigene Selbstwirksamkeit kann insbesondere durch Erfolgserlebnisse, die Beobachtung anderer, Feedback sowie den eigenen Umgang mit emotionaler Belastung gestärkt werden. Diese Mechanismen lassen sich auch auf den schulischen Kontext übertragen und bieten konkrete Ansatzpunkte zur Entwicklung einer inklusiven Haltung12.
Besonders wirksam für das eigene berufliche Vertrauen sind Erfolgserlebnisse im Unterricht. Deshalb sollten im Alltag bewusst Gelegenheiten geschaffen werden, inklusive Methoden wie zum Beispiel das Anpassen der Lerngelegenheiten an individuelle Bedürfnisse, auszuprobieren und als wirksam zu erleben11. Rückmeldungen von Mentor:innen oder Kolleg:innen helfen dabei, neue Perspektiven zu gewinnen und Sicherheit aufzubauen13.
| Best Practice: Lass dir von deinen Schüler:innen als Abschlussritual das Tageshighlight erzählen. Teile dein eigenes mit der Klasse oder schreibe es für den nächsten Tag an die Wandtafel. |
Zusammenarbeit als Ressource
Wie stark du als Lehrperson inklusive Praktiken im Unterricht umsetzen kannst, hängt auch davon ab, wie sehr du dir zutraust, gut mit deinen Kolleg:innen, den Fachstellen und den Erziehungsberechtigten zusammenzuarbeiten14. Wenn Inklusion als gemeinsame Aufgabe im Schulteam verstanden wird, kann dich das im Alltag spürbar entlasten. Die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen hilft, komplexe Unterrichtssituationen gemeinsam zu bewältigen15. Formate wie Team-Teaching oder Teamreflexionen schaffen Raum, um Herausforderungen gemeinsam zu besprechen, Lösungen zu entwickeln und Verantwortung zu teilen16. Schulische Unterstützung sowie eine gute Zusammenarbeit im Kollegium tragen wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung inklusiver Bildung bei15.
| Best Practice: Starte deine nächste Teamsitzung mit einer Runde, was diese Woche toll geklappt hat. Plane im Team gegenseitige Unterrichtsbesuche ein. Teilt eure Beobachtungen, was euch beeindruckt hat. Hast du konkrete Unsicherheiten? Trau dich und sprich sie an. Tausch dich mit deinem Zyklusteam aus, teilt Feedback und eure Ideen. |
Die Schule im Fokus
Deine individuelle Haltung ist auch stark von den schulischen Rahmenbedingungen abhängig. Klassenführung wird hier nicht zur reinen Ordnungsaufgabe, sondern zu einer Frage der professionellen Haltung, der Unterstützungsstrukturen und der gemeinsamen Verantwortung innerhalb der Schule. Welche Schulstrukturen helfen dir, damit du der Vielfalt deiner Schüler:innen wertschätzend und ressourcenorientiert begegnen kannst?
Schulkulturelle Voraussetzungen
Wie die beschriebene Situation wahrgenommen wird, hängt wesentlich von der gelebten Schulkultur ab. Eine inklusive Schulkultur entsteht nicht von selbst. Sie entwickelt sich dann, wenn sich alle Beteiligten auf gemeinsame Werte einigen und diese auch im Alltag leben. Dazu gehört, dass Lehrpersonen, Schulleitung und Erziehungsberechtigte miteinander klären, was Inklusion an ihrer Schule konkret bedeutet. Wichtig ist, dass diese Haltung nicht nur auf dem Papier steht, sondern verbindlich im Schulleitbild verankert ist und im Schulalltag sichtbar wird4,15,17,18.
| Best Practice: Führe einen Klassenrat ein. Legt gemeinsame Klassenregeln fest. Wähle ansprechende Zugänge, beispielsweise mit Bilderbüchern, plane die Schüler:innen aktiv ein und lasse sie in klaren Rollen Verantwortung trainieren. Sprich am Informationsabend für Erziehungsberechtigte euer Leitbild proaktiv an. Erkläre, wie ihr im Unterricht Mitbestimmung und Zugehörigkeiten fördert, beispielsweise mit Lernteams, dem Klassenrat und weiteren gemeinsamen Schulanlässen. |
Verlässliche Strukturen für Zusammenarbeit und inklusiven Unterricht
Die beschriebene Unterrichtseinheit zeigt eindrücklich, dass individuelles pädagogisches Handeln allein nicht ausreicht, um allen Schüler:innen gerecht zu werden. Mehrere Schüler:innen benötigen gleichzeitig Unterstützung, etwa durch Strukturierung, emotionale Begleitung oder adaptive Lernangebote. Hier wird die Bedeutung tragfähiger schulischer Rahmenbedingungen sichtbar. Die Schulleitung und Verwaltung schaffen Rahmenbedingungen, die deinen Alltag direkt beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel feste Zeitgefässe für die Zusammenarbeit, klare Absprachen zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und transparente Entscheidungen15.
Wichtig ist auch, dass Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Gleichzeitig lohnt sich ein kritischer Blick auf bestehende Strukturen: Gibt es separierende Praktiken oder Schulmodelle, die inklusive Entwicklungen eher hindern als unterstützen15,17?
| Best Practice: Der Austausch lohnt sich. Nutze die vereinbarte Sitzungszeit aktiv, um gemeinsam mit deinem Team den Unterricht zu planen und vorzubereiten. Nimm gezielte Beobachtungen aus deinem Unterricht zu Lernfortschritten, Verständnisschwierigkeiten oder auffälligen Arbeitssituationen mit. Vereinbart im Team verbindlich, wer welche Unterstützung übernimmt. So trägst du dazu bei, dass inklusive Förderung im Alltag greift15,17. |
Systemische Einbettung und Verantwortung
Inklusion ist nicht nur eine Aufgabe einzelner Lehrpersonen, sondern eine gemeinsame Entwicklungsaufgabe der ganzen Schule. Das Unterrichtsbeispiel lässt sich in einen übergeordneten systemischen Rahmen einbetten. Orientierung bietet die UN-Behindertenrechtskonvention1, die international definiert, wie Teilhabe für alle Schüler:innen gesichert werden kann. Kantonale Qualitätsverfahren unterstützen Schulen dabei, inklusive Entwicklung strukturiert und systematisch anzugehen. Reflexionsinstrumente wie die QUA‑LiS‑Bögen19 helfen zusätzlich, Haltungen, Erwartungen und mögliche Barrieren sichtbar zu machen und geben damit Impulse für gemeinsame Entwicklungsprozesse im Team.
| Best Practice: Sprich dich im Alltag mit Kolleg:innen ab, zum Beispiel in der Pause oder im Klassenteam, und tausche Erfahrungen aus, die dich bewegen. Nutzt einfache Leitfragen wie „Wen erreiche ich im Unterricht gut, welche Schüler:innen weniger?“, um Unterstützungsbedarf zu erkennen und nächste Schritte zu klären. Wenn es noch keine passenden Austauschgefässe gibt, überlegt gemeinsam konkrete Ideen wie kollegiale Beratungen und wendet euch an die Schulleitung. Indem ihr diese Überlegungen teilt, gestaltet ihr inklusive Schulentwicklung über eure Klassenzimmer hinaus mit. |
Wie kannst du reagieren?
Die Schüler:innen im Fokus
Dass im Unterricht auch mit einer inklusiven Haltung und guter Vorbereitung Störungen auftreten, ist ganz normal. Nicht alle herausfordernden Situationen lassen sich im Voraus verhindern. In solchen Momenten können dir reaktive Strategien helfen, deine Schüler:innen kurzfristig zu unterstützen und eine weitere Eskalation zu vermeiden. Wenn du Schüler:innen mit Diagnosen und Nachteilsausgleichen in deiner Klasse hast, lassen sich diese Strategien auch grundsätzlich mit den Schüler:innen präventiv festlegen und können allen den Alltag erleichtern. Im Folgenden werden dir zwei Handlungsmöglichkeiten vorgestellt.
Check-In/Check-Out
Bei der Methode Check-In/Check-Out erhalten deine Schüler:innen zu festen Zeitpunkten von dir kurze Rückmeldungen zu ihrem Verhalten20. Ziel dieser Verbindlichkeit ist es, deine Erwartungen sichtbar zu machen und das positive Verhalten regelmässig zu stärken5.
| Best Practice: Mache ein kurzes Check-In mit Schüler:innen, die noch nicht arbeiten, indem du zu ihnen hingehst und deine Beobachtung teilst. Frage, was er:sie braucht, damit gutes Arbeiten möglich wird. Kläre auch deine Erwartungen, was du nach der vereinbarten Zeit für ein Verhalten erwartest. Sprich den:die Schüler:in am Ende des Unterrichts proaktiv an und frage: „Was ist heute gut gelungen? Wo gab es Stolpersteine?”. Führt gemeinsam ein Fortschritt-Tagebuch. |
Class Pass
Der Class Pass ermöglicht deinen Schüler:innen kurze, selbst gewählte Pausen zu machen, um sich so selbst besser zu regulieren3,5,6. Die Regeln sind klar: Eine Pause pro Pass, begrenzte Anzahl, kurze Dauer und danach geht es selbständig und verbindlich weiter3. Das entlastet euch beide und hilft den Schüler:innen, wieder arbeitsfähig zu werden.
| Best Practice: Lasse die Schüler:innen, die vorher Körperkontakt gesucht haben, individuell einen Class Pass einlösen. Definiert die Dauer und den Ort: Pausenplatz, Gang, Toilette oder Gruppenraum. Macht auch ab, was der:die Schüler:in tut: Eine Runde rennen, sich beruhigen, in die Hängematte gehen oder einen Schluck trinken. Eine weitere Möglichkeit wäre auch, allen Schüler:innen in eurem Schulhaus diese Strategie zu ermöglichen und im Rahmen von pädagogischen Konzepten wie „bewegte Schule“ auch im Leitbild als Teil der Schulkultur zu verankern. |
Die Lehrpersonen im Fokus
Das Beispiel zeigt, wie schnell komplexe Situationen im Unterricht entstehen können, wenn mehrere Schüler:innen gleichzeitig unterschiedliche Bedürfnisse haben und du stark gefordert bist. In solchen Momenten kann es hilfreich sein, die Situation bewusst anders einzuordnen: nicht als unlösbares Problem, sondern als Herausforderung, die bewältigt werden kann11.
Eine gestärkte Selbstwirksamkeit kann dich dabei unterstützen: Du nimmst schwierige Situationen eher als bewältigbar wahr und kannst sie als Teil deines eigenen Lernprozesses sehen11. Das zeigt, wie wichtig eine zuversichtliche Haltung ist, um auch anspruchsvolle Unterrichtssituationen handlungsfähig zu gestalten.
| Best Practice: Fällt dir auf, dass etwas gut funktioniert? Verbalisiere deine Erfolge im Moment, laut für dich, um dein Vertrauen in dich zu stärken, aber auch als Feedback für die Klasse. Notiere deine Erfolge zusätzlich in deiner Agenda. |
Die Schule im Fokus
Sei dir bewusst, deine individuellen Belastungen sind häufig auch ein Ausdruck von strukturellen Bedingungen. Inklusion ist eine Form von systemischer Entwicklungsarbeit, bei der Barrieren identifiziert und Werte geklärt werden18. Eine inklusive Schule lebt von einem pädagogischen Grundverständnis, das Vielfalt als Stärke versteht und die Perspektiven aller Beteiligten ernst nimmt. Dieses Verständnis ist im Leitbild von Schulen angelegt und nur begrenzt spontan oder reaktiv steuerbar.
| Best Practice: Frage dich und fragt euch im Kollegium wirklich immer wieder: „Wie schaffen wir ein Lernumfeld, in dem jede:r Schüler:in gute Chancen hat?” Reflektiert gemeinsam und betrachtet die herausfordernden Situationen nicht nur als individuelle Probleme, sondern als Hinweis auf mögliche strukturelle Barrieren2,18,21. |
| Best Practice: Fehlen euch beispielsweise feste Zeiten für Austausch und gemeinsame Planung im Klassenteam? Durch gemeinsame Reflexion und klare Absprachen über Zuständigkeiten, Zeitgefässe und Unterstützung übernehmt ihr Verantwortung als Team und schafft bessere Voraussetzungen für inklusives Lernen. |
Möchtest du dich vertiefen?
Die bisherigen Vorschläge bieten dir konkrete Orientierung für deinen Unterrichtsalltag. Wenn du wissen möchtest, warum diese Strategien wirksam sind und worauf diese basieren, findest du im Folgenden eine vertiefende wissenschaftliche Einordnung.
Was steckt theoretisch dahinter?
Die folgenden theoretischen Grundlagen helfen dabei, den Umgang mit herausforderndem Verhalten, wie es sich beispielsweise im beschriebenen Einstieg im Kreis oder in der Einzelarbeitsphase zeigt, im inklusiven Unterricht besser zu verstehen. Im Zentrum steht die Frage, wie Verhalten erklärt und pädagogisch sinnvoll darauf reagiert werden kann. Die Perspektiven werden auf der Ebene der Schüler:innen, der Lehrpersonen und der Schule dargestellt. Dadurch wird sichtbar, welche Faktoren das Verhalten beeinflussen und wie Inklusion im schulischen Alltag unterstützt werden kann.
Die Schüler:innen im Fokus
Funktionelles Verständnis von Verhalten
Ein Ansatz, wie Inklusion im Unterricht umgesetzt werden kann, ist das Functional Behavioral Assessment (FBA). Die Grundidee ist, Verhalten nicht nur als “Störung” zu betrachten3,6,7.
Beim FBA beobachten Lehrpersonen genauer, in welcher Situation ein Verhalten auftritt, wie es aussieht und was danach passiert. Diese Informationen helfen zu verstehen, warum ein Verhalten gezeigt wird3. Auf dieser Grundlage können gezielte Massnahmen entwickelt werden, wie beispielsweise der Class Pass oder regelmässige Check-Ins, die problematisches Verhalten reduzieren und hilfreiche Alternativen aufbauen.
Pädagogische Massnahmen
Im Schulalltag zeigt sich, dass herausforderndes Verhalten auch eine Fluchtfunktion hat: Schüler:innen versuchen damit, Anforderungen zu vermeiden, die sie als zu schwierig oder überfordernd erleben3,7. Zwei Strategien haben sich hier als besonders hilfreich erwiesen: Aufgaben so anpassen, dass sie besser bewältigt werden können, und kurze, strukturierte Pausen als sozial akzeptierte Ausweichmöglichkeiten anbieten3.
Wichtig ist zudem, dass Unterstützung abgestuft erfolgt: Je ausgeprägter das Verhalten ist, desto strukturierter und intensiver sollte die Unterstützung sein5,6.
Die Lehrpersonen im Fokus
Die Relevanz der Haltung von Lehrpersonen
Ob inklusiver Unterricht gelingt, hängt stark davon ab, wie Lehrpersonen den eigenen Unterricht gestalten und auch davon, wie sie über Inklusion denken. Forschung zeigt, dass die Haltung einen grossen Einfluss darauf hat, ob und wie inklusive Strategien im Unterricht eingesetzt werden10,11,22,23.
Diese Haltung entsteht nicht einfach von selbst. Sie wird vor allem durch das eigene Wissen über unterschiedliche Behinderungen und durch eigene Erfahrungen geprägt15. Dabei zeigt sich auch, dass viele Lehrpersonen gegenüber Schüler:innen mit herausforderndem Verhalten oder stärkeren kognitiven Behinderungen eher zurückhaltend sind als gegenüber Schüler:innen mit körperlichen Behinderungen15.
Die Haltung umfasst drei eng verbundene Bereiche: Gedanken, Gefühle und Selbstwirksamkeit. Dazu gehören beispielsweise, ob Inklusion als sinnvoll und umsetzbar wahrgenommen wird, ob Unsicherheiten oder Sorgen vor Mehrbelastung bestehen und wie stark das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist, herausfordernde Situationen wie im Beispiel gut zu bewältigen11.
Auswirkung auf das pädagogische Handeln
Diese drei Bereiche wirken sich direkt auf das pädagogische Handeln aus24. Lehrpersonen, die sich im Umgang mit herausfordernden Situationen sicher fühlen, setzen häufiger Strategien ein, die zu gutem Unterricht und einem positiven Klassenklima beitragen14. Ein Beispiel dafür ist, dass vor der Lektion bewusst überlegt wird, welche Struktur den Einstieg unterstützt und so ein Koordinationsspiel eingeplant wird, wie es im Best Practice Beispiel vorgeschlagen wird.
Ob inklusive Ansätze im schulischen Alltag umgesetzt werden, hängt jedoch nicht nur von der einzelnen Lehrperson ab. Ebenso entscheidend ist, ob Unterstützung im schulischen Umfeld wahrgenommen wird und ob die notwendigen Fähigkeiten und Ressourcen als vorhanden eingeschätzt werden.
Die Schule im Fokus
Grundlagen inklusiver Schulentwicklung
Eine inklusive Schule zeichnet sich dadurch aus, dass Vielfalt als selbstverständlich angesehen und wertgeschätzt wird. Gleichzeitig werden Schüler:innen aktiv einbezogen und in ihrer Entwicklung unterstützt2,21, beispielsweise konkret durch einen verbindlichen Klassenrat, wie er im Best Practice Vorschlag beschrieben wird. Eine solche Schulkultur entsteht nicht von allein. Sie entwickelt sich dort, wo Lehrpersonen zusammenarbeiten, Verantwortung teilen und gemeinsam an einer positiven Lernumgebung arbeiten. In diesem Zusammenhang wird auch davon gesprochen, dass sich Schulen zu lernenden Gemeinschaften entwickeln: Sie bauen Barrieren schrittweise ab, reflektieren ihre Erfahrungen und entwickeln ihren Unterricht kontinuierlich weiter18.
Rahmenbedingungen
Damit Inklusion im Schulalltag gelingen kann, braucht es passende Rahmenbedingungen, wie verbindliche Teamsitzungen, die als konkrete Massnahmen im Best Practice formuliert sind. Dazu gehören zum Beispiel funktionierende Teams aus unterschiedlichen Berufsgruppen wie Lehrpersonen und Heilpädagog:innen, klare Formen der Zusammenarbeit sowie die Einbindung von Fachstellen wie Beratung oder Schulsozialarbeit4,18.
Wichtig ist auch, dass Fördermassnahmen gut abgestimmt sind und auf einer sorgfältigen Einschätzung der Lernstände basieren. Weiterbildungen können zusätzlich unterstützen17. Gleichzeitig sind die Bedingungen im Alltag oft herausfordernd: knappe Ressourcen, hohe Belastung oder Unsicherheiten im Classroom Management. Auch die Sorge um Leistungsunterschiede spielt eine Rolle. Diese Faktoren beeinflussen, wie Lehrpersonen Inklusion wahrnehmen und umsetzen14,17.
Führung und systemische Verantwortung
Schulleitungen übernehmen in diesem Prozess eine Schlüsselrolle. Sie schaffen Räume für Kooperation, setzen Prioritäten, organisieren Ressourcen und verankern Inklusion als gemeinsames Ziel17.
Auch die Bildungsbehörden tragen Verantwortung, indem sie verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Dabei geht es nicht nur darum, bestehende Strukturen leicht anzupassen. Vielmehr braucht es eine Weiterentwicklung des gesamten Systems, damit alle Schüler:innen gute Chancen auf Teilhabe haben1. Hier lässt sich auch der Austausch mit der Schulleitung verorten, beispielsweise in Bezug auf Vorschläge zur Einführung von kollegialer Beratung, die als Praxisbeispiel vorgeschlagen wird.
Was sagt die Forschung?
Die empirische Befundlage zur Inklusion im schulischen Kontext weist deutliche methodische Unterschiede auf und ist bislang nur begrenzt quantitativ erforscht. Oft stützen sich die praktischen Empfehlungen in der Literatur auf Fallbeschreibungen und erfahrungsbasierte Ansätze. Neben bereits breiteren quantitativ erforschten Praxismethoden wurden für diesen Ratgeber auch gezielt systematische Übersichtsarbeiten beigezogen. Die Empfehlungen basieren folglich auf der derzeit bestmöglichen Evidenz, sollten jedoch vor dem Hintergrund der insgesamt noch lückenhaften Forschungslage eingeordnet werden.
Die folgenden Forschungsergebnisse zeigen, welche Ansätze sich im Umgang mit herausforderndem Verhalten bei vielfältigen Anforderungen im Klassenzimmer, wie sie im Beispiel beschrieben werden, und in der Umsetzung von Inklusion im schulischen Alltag bewährt haben. Dabei wird deutlich, welche Faktoren das Verhalten von Schüler:innen beeinflussen und welche Bedingungen eine erfolgreiche Umsetzung unterstützen. Wie in den vorherigen Abschnitten werden die Ergebnisse auf der Ebene der Schüler:innen, der Lehrpersonen und der Schule dargestellt.
Die Schüler:innen im Fokus
Forschungsergebnisse zeigen, dass funktionsbasierte Interventionen im Unterricht wirksam eingesetzt werden können. Studien zu Aufgabenanpassungen und strukturierten Pausen berichten, dass störendes Verhalten zurückgeht und gleichzeitig die aktive Mitarbeit der Schüler:innen zunimmt3,25. Darauf verweist auch der Best Practice Tipp: Eine als „nicht interessant“ abgelehnte Aufgabe kann vereinfacht und in zeitlich überschaubare Schritte gegliedert werden, wie dies bei der Arbeitsverweigerung im Beispiel aufgezeigt wird.
Forschung zur Strategie des Selbstmanagements zeigt, dass Schüler:innen dadurch befähigt werden, eigene Ziele zu setzen, ihr Verhalten bewusst zu beobachten und zu reflektieren sowie Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen. Dies kann sich positiv auf ihr Arbeitsverhalten und ihre Lernleistungen auswirken9. Dies zeigt sich auch in der Situation mit den unterschiedlichen Arbeitstempi der Schüler:innen. Sie wissen durch vorher vereinbarte Schritte, wie sie selbstständig weiterarbeiten können.
Eine Metaanalyse konnte zeigen, dass Check-In/Check-Out mit deutlichen Verbesserungen der Ergebnissen von Schüler:innen einhergehen, insbesondere im Verhalten, in der Aufmerksamkeit, sowie in lernbezogenen Bereichen20. Darauf basiert der Best Practice-Vorschlag, dass Schüler:innen, die nicht mit Arbeiten beginnen, durch eine direkte, kurze Rückmeldung und Zielklärung unterstützt werden können.
Eine grosse Übersichtsarbeit kommt zu ähnlichen Ergebnissen5. Diese zeigen, dass verschiedene Strategien positive Effekte auf Verhalten und Unterrichtsbeteiligung haben. Acht der untersuchten Ansätze konnten dabei als wissenschaftlich gut überprüfte Praktiken identifiziert werden, unter anderem die Methoden “Check-In/Check-Out” oder “Selbstmanagement”3,5,9,20,25.
Die Lehrpersonen im Fokus
Besonders prägend für die Entwicklung einer positiven Haltung sind praktische Erfahrungen im inklusiven Unterricht. Sie wirken oft stärker als rein theoretische Weiterbildungen11,26.
Ein wichtiger Faktor dabei ist die Selbstwirksamkeit. Sie kann als eine Art innerer Antrieb verstanden werden: Wenn sich Lehrpersonen im Umgang mit herausfordernden Situationen, wie sie im Beispiel beschrieben werden, kompetent fühlen, gehen sie eher auf neue Anforderungen ein und erleben diese als weniger belastend10,11,22. Langfristige Studien zeigen, dass eine zunehmende Selbstwirksamkeit mit einer positiveren Haltung gegenüber Inklusion einhergeht22. Daraus resultiert der Praxistipp, dass positive Situationen bewusst mit den Schüler:innen besprochen werden sollen.
Auch die Zusammenarbeit spielt eine wichtige Rolle. Wenn Lehrpersonen darauf vertrauen, gut mit Kolleg:innen, Erziehungsberechtigten und Fachstellen zusammenarbeiten zu können, steigt die Bereitschaft, inklusive Unterrichtsformen umzusetzen14. Zudem beeinflussen gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Haltung. In Kontexten, in denen Individualität stärker betont wird, wird Vielfalt häufiger als Chance wahrgenommen26.
Gleichzeitig verändern sich die Einstellungen zur Inklusion nicht von heute auf morgen. Eine solche Entwicklung braucht Zeit, Reflexion und eine bewusste Auseinandersetzung11,22. Die Forschung zeigt jedoch, dass Veränderungen möglich sind, insbesondere durch Wissen, praktische Erfahrungen und gezielte Weiterentwicklung15. Wenn herausfordernde Sequenzen auch, wie im Kapitel “Und jetzt?“ vorgeschlagen, gezielt im Team lösungsorientiert reflektiert werden, können sich Lehrpersonen weiterhin handlungsfähig fühlen. Umso wichtiger ist es, dass die persönliche Haltung von Lehrpersonen und die Ausrichtung der Schule zusammenpassen und sich gegenseitig unterstützen.
Die Schule im Fokus
Eine inklusive Schulkultur entsteht dort, wo Lehrpersonen im Kollegium zusammenarbeiten, Verantwortung teilen und gemeinsam an einer positiven Lernumgebung arbeiten. Entscheidend ist dabei nicht, dass alle gleich vorgehen, sondern dass ein Austausch stattfindet, man sich gegenseitig unterstützt und ein gemeinsames Ziel verfolgt. Forschung zeigt, dass insbesondere eine enge Zusammenarbeit zwischen Regelschul- und Sonderpädagogik sowie eine wertschätzende Teamkultur wichtige Voraussetzungen für gelingende Inklusion sind27.
Gleichzeitig wird deutlich: Inklusion kann nicht von einzelnen Lehrpersonen allein getragen werden. Sie gelingt nur im Zusammenspiel von Unterricht, Schulleitung und den übergeordneten Rahmenbedingungen. Dazu gehört auch, Barrieren im Schulalltag bewusst wahrzunehmen, zum Beispiel in Bezug auf Teilnahme, Lernen oder Leistungsanforderungen und gezielt daran zu arbeiten18. Hier kommen die regelmässigen Austauschgefässe wie beispielsweise kollegiale Beratung im Team ins Spiel: Durch einen bewussten Austausch mit den Heilpädagog:innen können konkrete Massnahmen für die herausfordernde Situation ausgearbeitet werden.
Auch strukturelle Herausforderungen spielen eine Rolle. Lehrpersonen erleben im Alltag Belastungen und Unsicherheiten, und das Bildungssystem ist oft komplex organisiert. Umso wichtiger sind klare Werte, verlässliche Strukturen und konkrete Unterstützung im Schulalltag28,29. Daraus leitet sich der Praxistipp ab, dass sich Lehrpersonen trauen sollen, Unsicherheiten im Team oder auch gegenüber der Schulleitung anzusprechen, um diese Belastung nicht alleine tragen zu müssen.
Schulleitungen übernehmen dabei eine zentrale Rolle: Sie gestalten die Zusammenarbeit im Kollegium, setzen Schwerpunkte und unterstützen die Umsetzung im Alltag4,17,18,27. Auch die Bildungsbehörden tragen Verantwortung, indem sie den rechtlichen Rahmen, Ressourcen und die Weiterentwicklung des Systems sicherstellen. Dabei wird deutlich: Es reicht nicht, bestehende Strukturen leicht anzupassen. Vielmehr braucht es eine Weiterentwicklung des gesamten Systems, damit alle Schüler:innen gute Möglichkeiten zur Teilhabe haben, so wie es auch die UN-Behindertenrechtskonvention fordert4,28.
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- Gresch, C. et al. Inklusion in und nach der Sekundarstufe I in Deutschland − Erkenntnisinteresse, Forschungsdesign und Datengrundlage der INSIDE-Längsschnittstudie. in Inklusion in der Sekundarstufe I in Deutschland (eds Gresch, C. et al.) vol. 19 1–33 (Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden, 2026).
- Sahli Lozano, C., Wüthrich, S., Büchi, J. S. & Sharma, U. The concerns about inclusive education scale: Dimensionality, factor structure, and development of a short-form version (CIES-SF). International Journal of Educational Research 111, 1–12 (2022).
- Mejeh, M. & Powell, J. Inklusive Bildung in der Schweiz – Zwischen globalen Normen und kantonalen Besonderheiten. Bildung und Erziehung 71, 412–431 (2018).
Take Home Message
Inklusion beginnt nicht bei den einzelnen Schüler:innen, sondern bei der Gestaltung des Unterrichts. Wenn Schule so gedacht wird, dass alle Schüler:innen von Anfang an dazu gehören, verändern sich auch die herausfordernden Situationen: Sie werden nicht mehr nur als Störung verstanden, sondern als möglicher Ausdruck unterschiedlicher Bedürfnisse. Eine unterstützende Haltung, Zusammenarbeit im Kollegium und passende Rahmenbedingungen helfen dir, im Alltag handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehört auch, Schüler:innen gezielt durch konkrete Strategien zu unterstützen, mit individuellen Pausen, angepassten Aufgabenanforderungen, Selbstmanagement oder strukturierenden Instrumenten wie dem Check-In/Check-Out.
Viele Aspekte von Inklusion werden auch in anderen Themenfeldern unserer Website vertieft. Möchtest du dich vertieft mit der Haltung der Lehrperson auseinandersetzen, findest du im Themenfeld Beziehungsaufbau weiterführende Informationen. Wenn du dich hingegen stärker für die Strukturierung des Unterrichts durch weitere Methoden interessierst, bietet das Themenfeld Übergänge und Routinen zusätzliche Einblicke.
Impressum
Editor:in
M. J. Thomi
BA in Primary Education, MSc in Educational Science (i.A.) & MA in Gender Studies
Autor:innen
A. Baumann
Kauffrau, BA in Primary Education & MSc in Educational Science (i.A.)
F. Buholzer
Kauffrau, BA in Primary Education & MSc in Educational Science (i.A.)
J. Haefeli
BA in Primary Education & MSc in Educational Science (i.A.)
J. Suter
Kindergarten Teacher, MA in Special Need Education & MSc in Educational Science (i.A.)